
Ernst Thies ist ein Gefäßchirurg neuen Typs. Aufwendige Eingriffe lässt er beim Patienten nur zu, wenn es unbedingt nötig ist.
Seit fast zwei Jahrzehnten bin ich Chefarzt am Klinikum Elmshorn. Besonders stolz bin ich darauf, in dieser Zeit einen neuen interdisziplinären Ansatz etabliert zu haben. Unser Gefäßzentrum, das wir 2004 eröffnet haben, ist tatsächlich eine neue Medizinwelt. Sie bietet den Patienten sowohl durch meinen Partner, den Chefarzt der Inneren Abteilung Dr. Hader als Angiologen, als auch durch mich als Gefäßchirurgen die Basisfächer, die zusammen die Gefäßmedizin ausmachen. Das heißt im konkreten medizinischen Alltag: Wir bieten offen operative, aber auch interventionelle Verfahren an und gewährleisten auch die optimale konservative Behandlung von Gefäßleiden. Ein anderer positiver Effekt: Wir haben seitdem unsere Patientenzahl erheblich erweitern können. Viele Patienten entscheiden sich heute für die kleineren, weniger invasiven Eingriffe durch Kathetertechniken, selbst bei Erkrankungen der Hals- oder Bauchschlagader.
In der Kardiologie und Radiologie gehören interventionelle Wege schon seit längerem zum Alltag. In unseren Fachgebieten wurde dieser Trend etwas verschlafen. Nun versuchen beide Fächer, dieses nachzuholen. Leider ist die Zusammenarbeit nicht so eng, wie es wünschenswert wäre. So hat es die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie in diesem Jahr abgelehnt, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Angiologie einen Jahreskongress auszurichten. Für mich, der ich den Ansatz einer umfassenden Gefäßmedizin verfolge, ist das unbegreiflich. Eines ist klar: Die Deutschen werden immer älter. Die demografische Entwicklung lässt die Zunahme von Erkrankungen des Herzens und der Gefäße erwarten. In den USA rechnet man zwischen 2015 und 2030 mit einer Verdopplung der Patientenzahl. Gefäßchirurgen werden diese Patientenzahl nicht mehr allein bewältigen können. Auch daher ist die Zusammenarbeit mit den Angiologen ein wesentliches Anliegen, da die minimalinvasiven Kathetertechniken sowie die konservative Medizin einen ganz hohen Stellenwert in der Zukunft besitzen werden.
Die richtige Ausfahrt finden
Schätzungen gehen bereits davon aus, dass 60 Prozent aller Fälle durch interventionelle Verfahren behandelt werden können. Gewinner ist dabei immer der Patient, dem man im Einzelfall aufwendige chirurgische Eingriffe ersparen kann, da das interdisziplinäre Gespräch zwischen interventionell und konservativ tätigen Medizinern und Gefäßchirurgen die Abzweigung im Kreisverkehr optimal therapeutisch festlegen kann.
Angiologe und Gefäßchirurg legen in der Diagnostik fest, welche Ausfahrten im Kreisverkehr der Patient nehmen sollte. Täglich finden Besprechungen zwischen Gefäßchirurgen und Angiologen statt, in denen dann gemeinsam Diagnose- und Behandlungsvorschläge erarbeitet werden. Es besteht somit die Möglichkeit, das gesamte Spektrum der Gefäßkrankheiten in unserem Haus zu behandeln.
Dies ist auch für junge Ärzte beider Fachgebiete, Angiologie und Gefäßchirurgie, interessant. Bei uns werden beispielsweise chirurgische Assistenten übergreifend auch angiologisch mit interventionellen Techniken vertraut gemacht. Diese Assistenten erhöhen damit ihre medizinische Qualität und sind als Facharzt bestens für die Zukunft als Gefäßmediziner gewappnet.
Chefarzt des Regio Klinikums Elmshorn
E-Mail: ernst.thies@regiokliniken.de
Regio Klinikum Elmshorn
Akademisches Lehrkrankenhaus
Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie
Agnes-Karll-Allee 2
25337 Elmshorn
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