Prof. Dr. med. Hans-Joachim Schulz
« Ganz ehrlich: Ich habe meinen Weg als früherer DDR-Arzt und -Wissenschaftler in den Westen gefunden. Und mich weder damals noch heute verbiegen lassen. Mein Traum, selbständig und eigenverantwortlich in Medizin und Wissenschaft zu arbeiten, die Entwicklung von Gastroenterologie und Endoskopie mitzubestimmen und meine Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben, ist in Erfüllung gegangen, als Chefarzt im permanenten Streben nach einer exzellenten Medizin. »
Spezialgebiet: Endoskopie

Rückgrat beweisen

In der DDR war Hans-Joachim Schulz ein unabhängiger Geist. Nach der Wende ist er sich treu geblieben und hat eine Qualitätsklinik aufgebaut, die Spitzenmedizin und Forschung verbindet.

Ich habe in der DDR Medizin studiert und meine Ausbildung an der Charité in Berlin erhalten. 1971 habe ich als 24-Jähriger promoviert, 1982 habilitiert. Es waren Jahre zwischen Anpassung und Selbstbehauptung. Da ich nicht in der Partei war und auch sonst meine Unabhängigkeit behalten wollte, musste ich wesentlich mehr als andere leisten.

Aber ich wollte mich unbedingt als Wissenschaftler und Arzt etablieren. Es waren die goldenen Jahre der Endoskopie. Das Fachgebiet entwickelte sich gerade von der reinen Diagnostik hin zur operativen Therapie. Durch die endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikografie war es plötzlich nicht nur möglich, mithilfe von Röntgenkontrastmitteln Gallenwege und Bauchspeicheldrüsengänge darzustellen, die Öffnung des Gallengangs zu weiten, sondern auch Steine zu entfernen. 1977 habe ich in der ersten endoskopischen Operation in der DDR Gallengangssteine entfernt.

Ich habe in dieser Zeit enorm viele Erfahrungen gesammelt. Die Charité war wie ein Trichter, der Patienten mit unterschiedlichsten medizinischen Bedürfnissen ansaugte.

Trotzdem wurde unsere Entwicklung immer wieder durch äußere Schwierigkeiten behindert, die durch Improvisation und Eigeninitiative nur teilweise behoben werden konnten. Dafür ein Beispiel: Eines Tages — ich war dort bereits in leitender Funktion — hatten wir wieder ein Problem mit defekten Halogenlampen. Ein wichtiger Bestandteil von Lichtquellen für Endoskope, aber damals leider nur im Westen erhältlich. Der Ausweg: Es stand Weihnachten vor der Tür und meine Mutter durfte als Rentnerin nach West-Berlin fahren. Deshalb bat ich sie, uns Halogenlampen zu besorgen und mir zu Weihnachten zu schenken. So war das eben: Improvisationsgeschick war gefragt, wenn es um einen geordneten Klinikbetrieb ging.

Emotionale Führung

1982 wurde ich Leiter der interdisziplinären Endoskopie an der Charité. Zehn Jahre bekleidete ich den Posten. Mit der Zeit wurde ich auf meinem medizinischen Gebiet für das Regime vorzeigbar. Dann kam die Wende und mit ihr mein zweiter Aufbruch in eine neue Medizinwelt. Ich wurde Chefarzt für Gastroenterologie und Endoskopie in Lichtenberg.

Meine Fähigkeiten habe ich nun in die Qualitätsentwicklung eines modernen Klinikums gelenkt. Es waren und sind die glücklichsten Jahre meines Lebens. Warum? Nun, ich fühle mich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Bis heute versuchen wir, Spitzenmedizin mit wissenschaftlicher Forschung zu verbinden und bieten auch in Lichtenberg Endoskopien mit universitärem Anspruch für viele Patienten an. Es wundert mich nicht, dass wir mittlerweile auch viele überregionale Patienten behandeln dürfen. Als Schriftleiter der Fachzeitschrift "Endoskopie heute" halte ich außerdem engen Kontakt zu den Innovationen und ihren Protagonisten.

Als Arzt will ich Vorbild sein, auch in der Endoskopie, zum Teil führe ich noch sehr komplizierte endoskopische Eingriffe durch. Als Chefarzt versuche ich kollegial zu leiten und führe vielfach auf emotionale Weise. Zusammenhalt, höchste Ansprüche erfüllen und die Demut vor jedem Patientenschicksal — das sind meine Eckpfeiler, jeden Tag aufs Neue.

Prof. Dr. med. Hans-Joachim Schulz

Chefarzt Innere Medizin Sana Klinikum Lichtenberg
E-Mail: hj.schulz@sana-kl.de

Sana Klinikum Lichtenberg
Oskar-Ziethen-Krankenhaus
Klinik für Innere Medizin I

Fanningerstraße 32
10365 Berlin
Telefon: 030 5518-2210
Telefax: 030 5518-2250
www.sana-kl.de

Das Sana Blaubuch erscheint halbjährlich. Die aktuelle Ausgabe können Sie hier bestellen.

Welche Anregungen haben Sie für die nächste Ausgabe? Was gefällt Ihnen am Sana Blaubuch besonders gut? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!

© 2012 Sana Kliniken AG